Die Einnahme spezieller Antibiotika kommt einer Rodung nahe. Nur, dass hier keine Bäume, sondern nützliche Mikroorganismen in der Darmflora weichen müssen.

Das Mikrobiom spielt für deine Gesundheit eine große Rolle. Schließlich befindet sich im Darm der Großteil der Immunzellen. Deshalb ist es wichtig, die Artenvielfalt der Darmbewohner aufrechtzuerhalten.

Wir verraten, wie sich die Darmflora nach einer Antibiotikaeinnahme wieder erholen kann und welche Rolle Probiotika dabei spielen. Zudem unternehmen wir einen spannenden Ausflug in die Wissenschaft, um herauszufinden, was aktuelle Studien zu der modernen Art der Aufforstung sagen.

Das Wunderwerk Darm

Der Darm ist ein wahres Wunderwerk. Lange wurde vermutet, dass der Darm ausschließlich dafür zuständig ist, Speisen zu zersetzen und Nährstoffe zu resorbieren. Forscher haben in den letzten Jahren jedoch zahlreiche Geheimnisse rund um das bis zu 7 m lange Organ gelüftet.

Wusstest du, dass dein Darm die Kommandozentrale deiner Immunabwehr darstellt? Mit verschiedenen Verteidigungsstrategien sorgt er dafür, dass Eindringlinge wirksam vernichtet werden. Die Darmschleimhaut, insbesondere im Dünndarm, besitzt spezielle Zellen. Die sogenannten Paneth-Zellen sondern Substanzen ab, die den Eindringlingen zu Leibe rücken. Mit den „M-Zellen“ ist es möglich, Krankheitserreger aufzunehmen und direkt zu den verantwortlichen Abwehrzellen zu schleusen.

Dann gibt es noch das darmassoziierte Immunsystem (GALT). Es nimmt eine besondere Bedeutung ein, wenn es um die Bekämpfung von Krankheitserregern geht. Zu dem GALT zählen die Rachen- und Gaumenmandeln und die solitären Lymphfollikel des Darms.

Zudem greift ein bestimmter Teil des Blinddarms, der sogenannte Appendix vermiformis, der Immunabwehr unter die Arme. Fakt ist: Alleine in deinem Darm befinden sich 70% deiner Immunzellen.

Nicht zuletzt wird vermutet, dass der Darm Emotionen beeinflussen kann. Das soll mit Darmbakterien gelingen, die untereinander kommunizieren. Die ausgeschütteten Signalstoffe werden dann von Rezeptoren empfangen, die wiederum mit dem Gehirn verbunden sind.

Darmbakterien: ein großartiger Mix für die Gesundheit

Dein Darm beherbergt zahlreiche Mikroorganismen. Laut Untersuchungen existieren in dem größten inneren Organ mindestens 1014 winzige Lebewesen. Würde jemand diese große Anzahl an Bakterien wiegen, würde die Waage 1,5-2 kg anzeigen. Unglaublich, oder?

All diese großartigen Kleinstlebewesen ergeben die Darmflora. Sowohl „gute“ als auch „schlechte“ Bakterien finden hier ihren Platz. Keine Sorge, die „schlechten“ Bakterien stellen kein Problem dar, solange die guten Mikroorganismen die Platzhirsche sind.

Genau dieser Stelle kommen Antibiotika in Spiel. Sie können besonders häufig als Übeltäter ausgemacht werden, wenn sich die guten Bakterien reduziert zeigen.

Was Antibiotika mit der Darmflora anstellen

Eitrige Mandeln, ein hartnäckiger Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung – immer, wenn Bakterien die Gesundheit gefährden, sind Antibiotika das Mittel der Wahl.

In der Vergangenheit wurden Antibiotika gerne und oft verschrieben. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die häufige Einnahme zu Resistenzen führte – die Krankheitserreger ließen sich dann durch die Medikamente nicht mehr beeindrucken.

Das hat zu einem Umdenken geführt. Heute werden Antibiotika viel seltener verschrieben. Trotzdem gibt es Krankheiten, die den Einsatz notwendig machen. Leider hat das auch schwerwiegende Folgen für die nützlichen Bakterien im Darm.

Studie deckt vernichtendes Potenzial von Antibiotika auf

Antibiotika nehmen einen deutlichen Einfluss auf das empfindliche Gleichgewicht der Darmflora, das konnte eindrucksvoll anhand einer Studie bewiesen werden.

Forscher aus Dänemark, Deutschland und China haben sich zusammengeschlossen, um zu untersuchen, welche Auswirkungen eine Therapie mit einem Breitbandantibiotikum auf die Darmbakterien hat.

Kurze Info vorweg: Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis sich das wertvolle Mikrobiom wieder vollständig erholt hat. Ausgewählte Bakterienarten kehrten im Untersuchungszeitraum nicht wieder zurück.

Aber wie kamen die Wissenschaftler zu diesen Ergebnissen? Dafür stellten sich sechs gesunde, junge Männer bereit. Sie alle erhielten über 4 Tage hinweg einen Mix, bestehend aus drei verschiedenen Antibiotika.

Die ausgewählten Medikamente kommen in der Regel dann zum Einsatz, wenn herkömmliche Antibiotika keine Wirkung zeigen. Nach der Einnahme untersuchten die Forscher sechs Monate lang, was sich im Darm der Studienteilnehmer abspielte.

Mittels DNA-Sequenzierung – dabei handelt es sich um ein molekularbiologisches Analyseverfahren- konnten die Forscher feststellen, wie sich die Darmbakterien verhielten. Die gute Nachricht: Trotz der Verabreichung haben Bakterien überlebt.

Nehmen wir unser Beispiel vom Anfang. Wie nach einer Waldrodung erholte sich auch die Darmflora Schritt für Schritt. Allerdings war auffällig, dass zunächst die krankmachenden Keime wiederauftauchten. Dazu zählten beispielsweise Enterococcus faecalis und Fusobacterium nucleatum.

Vielleicht hast auch du bereits nach einer Antibiotikaeinnahme mit Magen-Darm-Störungen Bekanntschaft gemacht. Das Forschungsteam hat auch dafür in der Studie eine mögliche Erklärung gefunden. So stellten sie nach der Antibiotikaeinnahme besonders viele Virulenzfaktoren fest. Das sind Stoffwechselprodukte und Strukturen, die der Gesundheit eher nicht zuträglich sind und das Potenzial haben, Magen-Darm-Probleme hervorzurufen.

Bakterien aus dem Takt: daran erkennst du ein Ungleichgewicht

Nicht jedes Antibiotikum sorgt automatisch dafür, dass deine Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät. Allerdings können eine ungesunde Ernährung und Stress zusätzlich dafür sorgen, dass sich deine Untermieter im Darm unwohl fühlen.

Kommen mehrere Faktoren zusammen, kann es auch bei harmlosen Antibiotika zu Beschwerden kommen. Die Folge: Blähungen, Durchfall und Verstopfungen. Betroffene beschreiben auch ein allgemeines Unwohlsein im Magen-Darm-Trakt.

Aufbau der Darmflora: Probiotika als Helfer?

Halten wir fest: Antibiotika können die Anzahl der Bakterien im Darm reduzieren. Leider finden so auch die guten Bakterien ein schnelles Ende. Mit der Zeit gelingt es der Darmflora, sich wieder zu regenerieren. Allerdings stehen schlechte Keime als erstes auf dem Plan.

Mit der Zeit gesellen sich gute Mikroorganismen, zum Beispiel in Form von Bifidobakterien, hinzu. Sie produzieren Milchsäure und halten Krankheitserreger auf Abstand. Nach etwa einem halben Jahr hat sich deine Darmflora wieder normalisiert, wobei einige Bakterienarten trotzdem fehlen können.

Sechs Monate sind eine lange Zeit. Daher fragen sich viele Betroffene, ob sie der Ansiedlung guter Bakterien auf die Sprünge helfen können.

In ausgewählten Studien konnte beobachtet werden, dass Probiotika Effekte auf die Darmflora und immunologische Vorgänge ausüben können. Zudem wird vermutet, dass Probiotika bei verschiedenen Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Colitis ulcerosa oder kindlichen Durchfällen hilfreich sind.

Was sind Probiotika?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Probiotika folgendermaßen: „lebensfähige Mikroorganismen, die bei Verabreichung in ausreichender Menge eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Wirt mit sich bringen.“

Mit Probiotika soll es möglich sein, die Funktion der natürlichen Darmbakterien wiederherzustellen. Medizinische Produkte werden empfohlen, um das menschliche Mikrobiom durch Bakterienstämme zu erweitern.

Probiotika werden folgende Wirkungen nachgesagt:

  • Regulation der Verdauung
  • Regeneration der Darmzellen
  • Verstärkung der Darmbarriere
  • Unterstützung des Immunsystems
  • Förderung der Ansiedlung von „guten“ Bakterien

Zudem konnte kürzlich in einer Studie festgestellt werden, dass speziell das Probiotikum des Typs Bifidobakterium longum 1714 TM den Umgang mit Stress und die Stressverarbeitung erleichtert. Das Universitätsklinikum Tübingen verabreichte 40 Studienteilnehmern ein entsprechendes Probiotikum. Mittels Hirnscan konnte nachgewiesen werden, dass sich Belastungen nach der Einnahme besser bewältigten ließen. Das sind gute Aussichten für die weitere Erforschung der winzigen Darmbewohner.

Probiotika: Welche Bakterien sind empfehlenswert?

Es gibt zahlreiche Mikroorganismen, die deine Gesundheit aufrechterhalten. Um nach der Einnahme einen positiven Effekt ausüben zu können, müssen Probiotika aber einige Voraussetzungen erfüllen.

Zunächst ist es wichtig, dass sie in möglichst großer Anzahl den Dickdarm erreichen. Daher eignen sich solche Bakterienkulturen am besten, die der Magensäure trotzen. Auch die Gallensäure und Verdauungsenzyme sollten ihnen nichts ausmachen.

Wenn die Mikroorganismen die Hürden geschafft haben, müssen sie sich an der Darmwand anheften. Nur so gelingt eine erfolgreiche Besiedlung und Unterstützung der Darmflora vor Ort. Als besonders hilfreich haben sich verschiedene Bifidobakterien und Laktobazillen erwiesen.

Wir setzen in unserem Arktis Arktibiotic Select auf folgende nützliche Helfer:

  • Bifidobacterium Bifidum
  • Enterococcus Faecium
  • Lactobacillus Acidophilus
  • Lactobacillus Casei
  • Lactococcus Lactis
  • Lactococcus Salivarius

Wusstest du, dass die Mikroorganismen auch selbst etwas „essen“ müssen? Mithilfe sogenannter Präbiotika erhalten sie das Futter, das sie brauchen. Dabei handelt es sich um nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die zuträglich für das Wachstum und die Aktivität von Dickdarmbakterien sind. Dafür eignen sich Ballaststoffe wie Inulin und Oligofructose – in unserem Produkt sind deshalb Hilfsstoffe wie α-Amylase, Maltodextrin, mikrokristalline Cellulose und eine kleine Menge Fructo-Oligosaccharide enthalten.

Übrigens: Von Studienergebnissen lässt sich ableiten, dass eine längerfristige Einnahme über Wochen sinnvoll ist. Bei der Anwendung solltest du dich stets an die Verzehrempfehlung halten.

Unser Tipp: Unterstütze die Aufforstung nützlicher Darmbakterien

Neben Probiotika wird auch eine angepasste Ernährung angeraten, um das Wachstum gesundheitsfördernder Bakterien im Darm zu begünstigen. Zucker dient vor allem „schlechten“ Bakterien als Futter und sollte daher während der Aufforstung eine Nebenrolle spielen. Stattdessen solltest du zu fermentierten Nahrungsmitteln greifen. Sauerkraut, Kimchi oder Miso enthalten ebenfalls Probiotika und sind eine gute Empfehlung. Am besten lieferst du das Futter für die guten Bakterien gleich mit. Hierfür eignen sich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. In Kombination mit einem Probiotikum (Nahrungsergänzungsmittel) ziehst du alle Register, um deinen Mitbewohnern unter die Arme zu greifen.

Quellen:

  1. Murphy K, Travers P, Walport M, Janeway Immunologie. Aufl. Spektrum, Heidelberg 2009
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21750565
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21485746
  4. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Wichtig-fuer-das-Immunsystem-265563.html
  5. https://www.nature.com/articles/s41564-018-0257-9
  6. https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/pressemeldungen/meldung/163
  7. https://magendarm-zentrum.de/images/dokumente/publikationen/darmflora-probiotika/probiotika-und-reizdarm.pdf

 

 

Jennifer Ann Steinort

Autorin Jennifer Ann Steinort

„Mir ist besonders wichtig, dass meine Leser etwas für ihren Alltag mitnehmen können“.

Ich bin Dipl. Gesundheitsökonomin und hauptberufliche Medizinjournalistin. In den letzten Jahren habe ich mich zunehmend auf den Bereich Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert und versuche mit meiner Art und lebensnahen Artikeln Leser zu begeistern.

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